Vertragsabwicklung & Dokumentation

Kein Fax mehr für ein Barrel Öl

Wie BP, Shell und Mercuria mit VAKT Handelsverträge auf die Blockchain bringen 

1. Ein Rohstoffdeal ohne Fax 

Im physischen Rohölhandel der Nordsee war bis vor wenigen Jahren das, was nach einem Handelsabschluss passierte, erstaunlich analog. VAKT-CTO Adam Vile beschrieb es beim Plattformlaunch gegenüber dem Global Trade Review so: „Der erste Markt, in dem wir live gehen, ist der BFOET-Markt – Brent, Forties, Oseberg, Ekofisk und Troll –, und der läuft größtenteils über eine Kombination aus Fax, E-Mails und direkten Telefongesprächen. Der eigentliche Wert von VAKT ist, dass wir diesen Prozess digitalisieren.“ [1] 

Das Problem ist messbar: Laut einer VAKT-eigenen Analyse enden über 15 Prozent aller Handelskontrakte in Fehlern, weil beide Seiten denselben Deal manuell in ihre eigenen Systeme eintippen und dabei voneinander abweichen. [2] Handelsfinanzierungsbanker berichteten VAKT, dass 90 Prozent der zu finanzierenden Geschäfte „not papered“ seien – also ohne formelle digitale Dokumentation. [2] 

Dass sich das ändern lässt, hat die Branche inzwischen bewiesen. Den ersten vollständig digitalen Confirmation-Vorgang für physisches Öl weltweit führten Gunvor und TotalEnergies Trading SA (TOTSA) durch – VAKT bezeichnete es in seiner Pressemitteilung als „world first“. [3]

 

2. Was ist VAKT? 

VAKT wurde am 7. November 2017 als unabhängiges Joint Venture angekündigt – gegründet von einigen der weltgrößten Energiemajors, Handelskonzernen und Banken: BP, Shell, Statoil (heute Equinor), sowie den Handelskonzernen Gunvor, Koch Supply & Trading und Mercuria und den Banken ABN Amro, ING und Société Générale. [4] Am 29. November 2018 ging die Plattform live – als nach eigener Aussage „erste vollständig operative Enterprise-Blockchain-Plattform, die in den Markt eingetreten ist“. [5] 

Technisch basiert VAKT auf JPMorgans Quorum – einer privaten, zugangsgesteuerten Fork von Ethereum –, entwickelt mit dem globalen Softwareunternehmen ThoughtWorks. [5] Kryptowährungen sind ausdrücklich nicht beteiligt: VAKT stellt auf seiner eigenen Website klar, dass das Unternehmen „not involved in cryptocurrency activities of any form“ sei. [6] 

VAKT ist ein reines Post-Trade-System. Die Gründungspartner erkannten laut VAKT-Unternehmensseite ein Problem, das kollektives Handeln erforderte: Der physische Post-Trade-Prozess war auf manuelle, komplexe und fehleranfällige Abläufe angewiesen. [7] Der Name VAKT bedeutet auf Skandinavisch „Wächter“. [8]
Dass das Konsortiumsmodell aufging, zeigt die Adoption: Beim offiziellen Launch an der International Petroleum Week im Februar 2019 kamen vier weitere Nutzer hinzu – laut Ledger Insights deckte die Plattform damit zwei Drittel der Nordsee-Rohhandelsgeschäfte ab. [16] Heute laufen nach VAKT-Angaben über 70 Prozent der NWE-Barge-Trades über die Plattform. [22] 

3. Regulatorischer Rahmen: digitale Verträge und deutsches Recht 

Was VAKT umsetzt, funktioniert rechtlich, weil der zugrundeliegende Vertrag sauber von der Blockchain getrennt ist: Die Handelspartner schließen ihren Vertrag außerhalb der Plattform auf Basis bestehender Rahmenvereinbarungen. VAKT dokumentiert und bestätigt ihn anschließend digital. Das entspricht der Textform nach § 126b BGB – diese verlangt eine lesbare Erklärung auf einem dauerhaften Datenträger, eine eigenhändige Unterschrift ist dafür nicht erforderlich. [9] Die Plattform wirbt für ihr Produkt vSure ausdrücklich damit, dass es rechtsverbindliche und digital bestätigte Handelsabschlüsse liefert. [10] 

Für die Logistikseite schafft die EU-Verordnung über elektronische Güterverkehrsinformationen (eFTI, Verordnung (EU) 2020/1056) den rechtlichen Rahmen für digitale Frachtbriefe. Sie gilt seit dem 21. August 2024 und verpflichtet Behörden, digitale Dokumente über zertifizierte Plattformen anzunehmen – für alle Verkehrsträger: Straße, Schiene, Binnenschiff und Luft. Die volle Akzeptanzpflicht der Behörden wird von der EU-Kommission für voraussichtlich Juli 2027 erwartet. [12] 

4. Technische Umsetzung im Detail 

VAKT betreibt auf Basis von Quorum eine private, zugangsgesteuerte Blockchain, bei der sensible Daten ausschließlich in der eigenen Cloud-Infrastruktur des Kunden liegen und nur bilateral zwischen den jeweiligen Vertragspartnern ausgetauscht werden. VAKT selbst hat standardmäßig keinen Zugriff auf Kundendaten, alle Daten sind vollständig verschlüsselt. Die Plattform ist ISO 27001:2022 und ISO 27017:2015 zertifiziert. [13] 

Die drei Kernprodukte bilden den vollständigen Trade-Lebenszyklus ab: 

  • vSure verbindet die ETRM-Systeme beider Gegenparteien, identifiziert denselben Trade in beiden Systemen und erkennt Abweichungen zum Zeitpunkt des Abschlusses. Über eine API mit über 300 Feldern wird die rechtsverbindliche digitale Bestätigung erzeugt. Laut VAKT spart vSure durchschnittlich 4,07 Millionen US-Dollar pro 100 Milliarden US-Dollar Umsatz und etwa 20 Minuten pro Spot-Kontrakt. [10] 
  • vLogistics ist die Live-Verbindung zwischen ETRM-Systemen, Terminals und Inspektoren. Es automatisiert Nominierungen, KI-Tools und digitale Kommunikation über alle Gegenparteien. Laut VAKT reduziert es den operativen Aufwand um mindestens 30 Prozent. [14] 
  • vActuals reduziert Betrugsrisiken, indem Mengen- und Qualitätsdaten direkt an der Quelle erfasst und auf der Blockchain gestempelt werden. Unstrukturierte Berichte werden in standardisierte Datenformate umgewandelt. [15] 

Zusammen bilden die drei Produkte einen digitalen Zwilling des Trade-Lebenszyklus: Jede Phase von der Handelsbestätigung bis zur finalen Abrechnung wird als unveränderlicher Datensatz festgehalten – ein „single source of truth“, auf den alle Beteiligten in Echtzeit zugreifen können. [13] 

5. Bedeutung für KMU in Dortmund-Unna-Hamm 

VAKT selbst richtet sich an internationale Ölkonzerne und ist für regionale KMU nicht direkt zugänglich. Der übertragbare Kern ist das Prinzip dahinter: Branchen mit wiederkehrenden, mehrseitigen Transaktionsprozessen – etwa Stahlhandel, Chemielogistik oder industrielle Beschaffung – können von einer gemeinsamen digitalen Dokumentationsinfrastruktur profitieren, ohne dass ein einzelnes Unternehmen sie allein tragen muss. VAKT zeigt, dass dieses Modell funktioniert: Wettbewerber, die sich auf eine gemeinsame, neutrale Plattform einigen, lösen das Adoptionsproblem, das jede Einzellösung scheitern lässt. 

Für Logistikunternehmen in der Region kommt ein konkreter regulatorischer Anknüpfungspunkt hinzu: Die eFTI-Verordnung (EU) 2020/1056 gilt bereits seit dem 21. August 2024 und schafft den EU-weiten Rechtsrahmen für digitale Frachtbriefe über zertifizierte Plattformen. Ab voraussichtlich Juli 2027 sind Behörden verpflichtet, diese Dokumente anzunehmen – für Unternehmen bleibt die Nutzung freiwillig, aber wer früh umstellt, gewinnt Effizienz. [12]

6. Fazit 

VAKT löst kein technisches Problem – es löst ein Koordinationsproblem. Fax und E-Mail im Ölhandel waren nicht deshalb allgegenwärtig, weil es keine bessere Technik gab, sondern weil sich jede einzelne Gegenpartei nicht allein bewegen wollte. Das Konsortiumsmodell hat dieses Adoptionsproblem gelöst: Wettbewerber wurden gleichzeitig Investoren und Erstnutzer, was die kritische Masse erzeugte. CEO Etienne Amic beschrieb den Mechanismus so: „Wir glaubten, dass wir rund 60 bis 70 Prozent eines Marktes benötigen, um den Zündpunkt zu erreichen, der andere dazu bringt, beizutreten.“ [20] Interim-CEO John Jimenez hatte es beim Launch auf den Punkt gebracht: „Der Erfolg einer Blockchain-Lösung hängt von weitreichender Adoption ab.“ [5] Für KMU in Dortmund-Unna-Hamm ist das die eigentliche Lehre: Die Technik ist verfügbar und rechtssicher – die Frage ist, wer die erste Gruppe zusammenbringt. 

Quellen 

[1] https://www.gtreview.com/news/top-stories/vakt-commodity-trade-blockchain-platform-goes-live-to-connect-with-komgo-by-year-end/ 

[2] https://www.vakt.com/press/the-rise-and-rise-of-confirmations-in-commodity-trading 

[3] https://www.vakt.com/press/world-first-as-physical-oil-trade-confirmations-are-digitalised-using-vakt 

[4] https://www.vakt.com/press/november-2017-commodity-traders-energy-majors-and-banks-join-forces-to-create-a-blockchain-based-digital-platform-for-the-energy-commodity-trading-industry 

[5] https://www.vakt.com/press/november-2018-vakt-goes-live-with-world-first-enterprise-grade-blockchain-platform 

[6] https://www.vakt.com/fraud-prevention 

[7] https://www.vakt.com/company 

[8] https://www.vakt.com/ 

[9] https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__126b.html 

[10] https://www.vakt.com/vsure 

[11] https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2024/1183/oj/eng 

[12] https://transport.ec.europa.eu/transport-themes/logistics-and-multimodal-transport/efti-regulation_en 

[13] https://www.vakt.com/technology 

[14] https://www.vakt.com/vlogistics 

[15] https://www.vakt.com/vactuals 

[16] https://www.ledgerinsights.com/oil-blockchain-vakt-launching/ 

[17] https://www.vakt.com/press/january-2019-vakt-adds-chevron-total-s-a-and-reliance-industries-as-investors 

[18] https://www.vakt.com/press/saudi-aramco-energy-ventures-makes-5m-investment-into-vakt-and-joins-platform 

[19] https://www.vakt.com/press/february-2019-vakt-welcomes-appoints-etienne-amic-as-new-ceo 

[20] https://cointelegraph.com/news/blockchain-post-trade-platform-vakt-partners-with-majority-of-north-sea-oil-market 

[21] https://www.vakt.com/press/vakt-announces-tasja-botha-as-new-ceo 

[22] https://www.vakt.com/press/vakt-expands-into-global-markets-launch-of-global-vessels-on-the-platform-in-2025 

Vertragsabwicklung & Dokumentation
Junger Mann mit bloden Haaren und Bart trägt blaues Hemd, lächelt

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